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Nationalpark Nordschwarzwald: Säger, Jäger, CDU, FDP & geschürte Ängste & Holzindustrie / Von einem erfolgreichen Konflikt

12.05.2014

Nationalpark Nordschwarzwald: Säger, Jäger, CDU, FDP & geschürte Ängste & Holzindustrie / Von einem erfolgreichen Konflikt

Der 28.November 2013 war ein guter Tag für Baden Württemberg
Der Landtag von Baden-Württemberg beschloss endlich das Gesetz zur Errichtung eines Nationalparks mit 71 zu 63 Stimmen. Die FDP und fast die gesamte CDU stimmen gegen Mensch, Natur und Nationalpark. GRÜNE und SPD stimmen dafür. Auch der BUND am Südlichen Oberrhein hat mit Veranstaltungen, Plakaten, Aufklebern und Aktionen für den Nationalpark gekämpft. Dennoch ärgert uns unsere eigene Argumentation. Wir mussten stets in der zerstörerischen „Mehr-Haben-Logik“ argumentieren, also beispielsweise mit den vielen zusätzlichen Arbeitsplätzen im Tourismus, die ein neuer Nationalpark schaffen wird. Der „Wert der Natur an sich“ spielt in Zeiten der Gier in der öffentlichen und veröffentlichten Debatte überhaupt keine Rolle. Da gibt es eigentlich keinen Unterschied zwischen Nationalparkdebatten im Schwarzwald, in Afrika oder Amazonien.
Erstaunlicherweise drängeln jetzt manche Neinsager um die besten "Kuchenstücke" des Nationalparks. So viel Verlogenheit gab´s bisher selten in Baden-Württemberg.


Hier beginnen die Infos zum Kampf um den endlich realisierten Nationalpark



Nationalpark Nordschwarzwald: Die gleichen Ängste und Interessen wie vor 140 Jahren

"Anfangs mussten die Naturschützer gegen erheblichen Widerstand kämpfen. Industrielle fürchteten um ihren Zugang zu Wasser- und Holzschätzen. Freiheitsliebende Bürger und Politiker störten sich an dem großen Einfluss der Regierung. Parlamentarier in Washington und in den neuen Bundesstaaten schien die wirtschaftliche Expansion ihrer Nation zunächst wichtiger als die Bewahrung der Natur."

So berichtete die Badische Zeitung am 01. Oktober 2011 über den massiven Widerstand gegen den ersten amerikanischen Nationalpark im Yellowstone-Gebiet im Jahr 1872.

140 Jahre später ist Amerika stolz
auf diesen und viele andere Nationalparks. 140 Jahre später gibt es endlich Überlegungen und Planungen für einen ersten Nationalpark im Nordschwarzwald, ein kleiner Nationalpark für die "Restnatur" in der zersiedelten, zerschnittenen, auf- und ausgeräumten Landschaft in Baden-Württemberg.


Nationalpark? Nein Danke


Und wieder gibt es finanzstarke Lobbygruppen dagegen
und die fast gleichen, 140 Jahre alten Argumente. Insbesondere die FDP (wer erwartet von dieser Partei etwas anderes?), die Lobbyisten und Vertreter der Sägewerke und der Holzindustrie und der Waldbesitzer kritisieren die Nationalparkpläne der neuen Landesregierung. Die CDU ist in Sachen Nationalpark gespalten. Da gibt es den alten strukturkonservativ-rückwärtsgewandten Flügel, der jede Veränderung und einen Nationalpark ablehnt und einen modernen, wertkonservativen Flügel, der den Nationalpark als Chance für Mensch, Natur und Heimat begrüßt. Vor den Wahlen zum Bundestag setzte die CDU allerdings auf Fundamentalopposition. Es ist traurig, aber wer Egoismen gut bedient wird gewählt. Auch bei der Abstimmung im Landtag am 28.11.2013 stimmten FDP und CDU für die Interessen der Holzlobby und gegen die Natur.

Der Slogan der gut organisierten Nationalparkgegner lautet:
"JA zum Wald – NEIN zum Nationalpark Nordschwarzwald", doch das "Ja zum Wald" ist wohl eher ein "Ja zum Holz"... Geld macht Meinung. Die Sägewerke im Schwarzwald stecken aus ganz anderen Gründen in einer tiefen Krise. "Das Problem der deutschen Sägeindustrie: Es gibt zu viele Mitbewerber. Fachleute schätzen, dass die Sägewerke der Republik etwa 2,5-mal mehr Holz sägen könnten, als ein nachhaltiger Einschlag im Wald erlaubt." schreibt die BZ. Ein Sündenbock Nationalpark bietet sich da an, um abzulenken.

Woher kommt der Hass?
Es ist erschreckend, wie hasserfüllt manche Nationalparkgegner argumentieren und vorgehen. So sahen sich sogar die Landesbischöfe Frank Otfried July und Ulrich Fischer genötigt zu fordern, „die Diskussion fair und respektvoll zu führen“. Man sehe mit „zunehmender Sorge“, so die Kirchenvertreter, „dass manche Kritiker eine zunehmend unangemessene Schärfe bis hin zu persönlichen Anfeindungen praktizieren“. Die Stuttgarter Nachrichten berichten:
Vor wenigen Tagen in Baiersbronn: Fragt ein Gegner einen Befürworter des geplanten Nationalparks: „Wann ist genau die Informationsveranstaltung zum Nationalpark?“ Antwortet der: „17. April um 19.00 Uhr in der Schwarzwaldhalle. Wir sehen uns, oder?“ Sagt der Gegner: „Wenn du bis dahin noch lebst.“
Wolfgang Sönning, stellvertretender Dekan in Baiersbronn, berichtet von „Vorwürfen und Drohungen“. Manche Geschäftsleute würden unter Druck gesetzt. Nach dem Motto: Wenn ihr ein Plakat Pro Nationalpark aufhängt, verliert ihr Kunden. Ein Unternehmer bestätigt das: „Ich bin für den Nationalpark, werde das aber öffentlich nicht mehr sagen. Das ist mir zu gefährlich.“ Auch Hoteliers, die sich vom Nationalpark einen Schub für den Tourismus erhoffen, sorgen sich um Ansehen und Gesundheit. „Die Gegner des Nationalparks sind verbittert und voller Hass. Ich fürchte, dass die auch vor Gewalt nicht zurückschrecken“, erzählt ein Gastronom, der ebenfalls anonym bleiben will. (Zitatende)

Es fällt auf,
dass zwischenzeitlich bei vielen Umwelt- und Naturschutzkonflikten Nationalparkgegner, Klimawandelleugner und Gegner der Energiewende zunehmend hasserfüllt agieren und argumentieren und dass in Deutschland langsam eine Bewegung entsteht, die der amerikanischen Tea Party Bewegung in vielem ähnelt. Kein Wunder, dass auch die Industrielobbyisten Dirk Maxeiner & Michael Miersch in der Zeitschrift "Die Welt" gegen den Nationalpark agitieren.

Wo sind die vielen NaturschützerInnen & BiologInnen
in den wichtigen, aktuellen Naturschutzkonflikten am Oberrhein? Es gibt am Oberrhein eine Vielzahl von Menschen mit einem großen Wissen und Sachverstand in Sachen Natur und Umwelt. Doch in den großen Konflikten um unsere bedrohte Restnatur, sei es beim Nationalpark Nordschwarzwald, beim IRP, bei den Themen Flächenverbrauch und Zersiedelung halten sie sich meist "vornehm" und schüchtern zurück und überlassen die öffentliche Debatte & Leserbriefe den gut organisierten Lobbyisten und dem Stammtisch. Manche Spezialisten sehen auch nur ihr "Lieblingsbiotop" und vergessen darüber den großen Zusammenhang. Nur gemeinsam können wir wir die aktuellen Zerstörungsprozesse bremsen!


Es ist beeindruckend,
wie geschickt die ökonomischen Interessen der Nationalparkgegner mit einem "grünen Mäntelchen" bedeckt werden, wie mit vorgeschobenen, falschen "Naturschutzargumenten" gegen Natur argumentiert wird. Ängste werden gezielt geschürt und dann gibt es noch die weit verbreitete Angst vor "Unordnung im Wald". Nationalparkgegner gibt es nicht nur in den Wäldern Amazoniens und in Afrika...

Ordnung & Sauberkeit contra „wilde“ Natur
Bei vielen großen Konfliktthemen im Naturschutz am Oberrhein und im Schwarzwald schimmert immer wieder eine deutsche Urangst hervor. Es ist die große Angst vor Veränderung und Unordnung. Das beginnt im Kleinen, beim sauber auf- und ausgeräumten Garten, in dem kein Vogel mehr einen Brutplatz findet. Es geht weiter mit der auf- und ausgeräumten Kulturlandschaft, wo Hochstammbäume und Hecken in der Maissteppe nichts mehr zu suchen haben. Doch auch die großen Konflikte um den Nationalpark Nordschwarzwald oder um die Ökologischen Flutungen beim Integrierten Rheinprogramm sind von solchen Ängsten geprägt. Ein Wald, der sich „ungeplant und nicht von Menschen gesteuert“ verändert, eine neu entstandene Kiesbank nach einem Hochwasser im Taubergießen... Solche Veränderungen oder gar „Wildnis“ lösen tiefsitzende Ängste aus. Ein „aufgeräumter, sauberer“ Schwarzwald ist dann das Ergebnis solchen Denkens.

Wer sich auf den Straßen und in den Orten
in und um den geplanten Nationalpark Nordschwarzwald umschaut, sieht Kurzzeit- und Tagestouristen, die zumeist wenig Geld in Region bringen. "Die älteren Gäste wollen keine Wildnis" ist ein häufig zu hörendes Argument im Nordschwarzwald. Dass junge und alte Touristen Wildnis mögen und immer stärker suchen, zeigt nicht nur der Nationalpark Bayrischer Wald. Es ist schade, dass sich der Schwarzwaldverein bisher noch nicht eindeutig für einen Nationalpark ausgesprochen hat.

Wer sich im Nordschwarzwald
in und um den geplanten Nationalpark umschaut, sieht allerdings auch, dass erste Häuser und Wohnungen, manche alten Hotels und viele kleine Geschäfte leer stehen. Gerade in den kleinen Gemeinden im Nordschwarzwald beginnt der demographische Wandel auch optisch sichtbar zu werden und die Landflucht macht sich immer stärker bemerkbar. Qualitätstourismus mit einem Nationalpark Nordschwarzwald könnte die Situation positiv verändern. Ein Nationalpark bietet auch die Chance sich positiv mit Heimat zu identifizieren.

Zustimmung zum Park in der Bevölkerung
Nicht die lärmenden Nationalparkgegner und deren Seilschaften, sondern die Befürworter sind die Mehrheit. Das Forsa-Institut befragte in einer repräsentativen Umfrage im November 2012 Menschen aus den Landkreisen Freudenstadt, Rastatt, Calw und Ortenaukreis zur Einrichtung des Nationalparks im Nordschwarzwald. Nach der aktuellen Umfrage findet die Einrichtung des Nationalparks in allen Altersklassen Zustimmung. Die Pläne der grün-roten Landesregierung werden außerdem nicht nur von den eigenen Wählern unterstützt. Auch die Mehrheit der CDU Wähler steht dahinter: 56 Prozent befürworten den Nationalpark.

Erst seit 1970 gibt es den Nationalpark Bayerischer Wald,
den ersten Nationalpark in Deutschland. Heute sind es im gesamten Bundesgebiet 14 Nationalparke, die eine Fläche von insgesamt 0.54% des Bundesgebietes einnehmen. Baden-Württemberg, das Saarland und Rheinland-Pfalz haben als einzige Flächenländer noch keinen Nationalpark.

Der "umstrittene" Nationalpark Nordschwarzwald soll eine Mindestfläche von ca. 10.000 Hektar (100 Quadratkilometer) umfassen. Der tägliche Flächenverbrauch in Deutschland liegt bei ca. 100 Hektar am Tag. Der Park hätte also die Fläche, die in Deutschland in hundert Tagen bebaut, zersiedelt, entwertet und zerstört wird...

Nationalpark Nordschwarzwald und Heimat
Wer die Wortmeldungen von überzeugten Nationalparkgegnern hört, der hört oft das Wort Heimat. „Der Nationalpark bringt ungeliebte Veränderungen und gefährdet so Heimat“ wird gesagt. Die alten Fichtenmonokulturen werden gerade von strukturkonservativen Menschen und manchen Parteivertretern als Heimat empfunden.
Doch niemand hat den Heimatbegriff für sich gepachtet. Die Menschen, auch im Schwarzwald, haben in den letzten Jahren immer wieder erleben müssen, dass „Hirschhornknopftragende Politiker in Trachtenjacken, die gerne von Heimat reden“ häufig fast allen heimatzerstörenden Großprojekten und Naturzerstörungen zugestimmt haben. Ein Nationalpark, der das Naturerbe in seiner Vielfalt bewahrt und dennoch verändert, kann Heimat sein. Auch Heimat verändert sich, muss sich positiv verändern. Heimat ist eben auch bunte Vielfalt und nicht monokulturelle Einfalt.

Ein Nationalpark Nordschwarzwald
wäre auch ein Stück Heimat in unserer ausgeräumten und zersiedelten Landschaft. Auch die Menschen in den Gemeinden im Schwarzwald könnten profitieren. Überall dort, wo es Nationalparke gibt, hat ein naturverträglicher Tourismus eingesetzt, der Gelder in die Gemeinden bringt und Arbeitsplätze schafft, denn Nationalparkbesucher sind meist keine Tagestouristen und bleiben länger. Und die Einheimischen sind stolz auf das gerettete, faszinierende Naturerbe vor ihrer Tür.

Axel Mayer, Bund Geschäftsführer



Nationalpark Nordschwarzwald: Dunkle Wälder und eingestreute himmlische Seen (hier: Huzenbacher See)



Nationalpark Nordschwarzwald

Manchmal schau ich auf meine Plakat gewordene Idee, denke an die zunehmende Verscheußlichung meiner Heimat und bin unzufrieden. Der Text ist defensiv und schwach. Es müsste heißen: "Warum ein Nationalpark Nordschwarzwald eigentlich viel zu wenig ist..." Axel Mayer


Dieses Pro-Nationalpark Plakat im DIN A3 Format gibt´s ab sofort für 5 Cent in unserem Online Shop





Der Nationalpark Film beim SWR


Was tun? Ein ziemlich ungewöhnlicher Vorschlag
  • fahren Sie einfach mal hin, machen Sie Urlaub im Gebiet des geplanten Nationalparks, bekennen Sie sich mit einem Aufkleber oder Plakat zum Park, fragen Sie nach Nationalparkbroschüren und reden Sie mit den Menschen. Nationalparktourismus kann den Umschwung bringen...




  • Regionales BUND-Material für Nationalpark-Freunde & Freundinnen







    Interessieren Sie sich für Naturschutzthemen am Südlichen Oberrhein?
    Dann können Sie sich hier in den regionalen BUND-Naturschutz-Newsletter eintragen!







    Gastronomie, Tourismus & Nationalpark Nordschwarzwald

    Der Nationalpark Schwarzwald ist eine einmalige Chance für die Region und ihre touristische Attraktivität.


    Weltweit ziehen Nationalparks Besucher in ihren Bann. Die Marke hat große Strahlkraft und einen kaum zu übertreffenden Bekanntheitsgrad. In Baden-Württemberg eröffnet ein Nationalpark im Nordschwarzwald die Chance, regional und international mehr Gäste anzusprechen.

    Auch die Zielgruppe Familien kann ins Visier genommen werden: Das Erlebnis, wie sich Natur entwickelt, die sich selbst überlassen ist, übt große Faszination auf Jung und Alt aus. Anlieger-Gemeinden können mit dem Attribut „Tor zum Nationalpark“ werben. An den Portalen lassen sich in entsprechenden Informationshäusern unterschiedliche Konzepte verwirklichen. So könnte die wechselvolle Wirtschaftsgeschichte des Schwarzwaldes erzählt werden (Holz, Köhler, Glas, Feinmechanik, Uhren, Tourismus etc.). An anderer Stelle kann die Biodiversität anschaulich und anhand von spannenden Beispielen thematisiert werden. Jenseits nackter Besucher- und Übernachtungszahlen hat ein Nationalpark eine enorme Wirkung auf Image und Renommee einer Region.
    • Andreas Braun, Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg
    • Dr. Christian Köppel, Freundeskreis Nationalpark Schwarzwald e.V.
    • Karl Heinz Mast, Hotel Hirsch, Enzklösterle




    Hier: Eine "Flugsimulation" über dem angedachten Gebiet des Nationalparks



    Auszug aus einem Kommentar der Stuttgarter Zeitung zur Kampagne der Nationalparkgegner
    Scheinheiliger geht es kaum: Da sollen die Befürworter eines Nationalparks per Unterschrift am Ende sogar Verantwortung dafür übernehmen, dass der erkennbare Riss in der Bevölkerung über Generationen nicht mehr geschlossen werden kann. Mit dieser Personifizierung treibt der Verein selbst einen Keil in die Bevölkerung. Die verantwortungslose Kampagne entlarvt die Gegner als Brandstifter. Sachliche Aufklärung sieht anders aus.
    In der Stuttgarter Zeitung weiter lesen.



    Großes Naturschutzrätsel


    Finden Sie den Unterschied






    Rätselauflösung



    Beide Quadrate umfassen eine Fläche vom 100 Quadratkilometern


    Das schwarze Quadrat steht für die Fläche, die in Deutschland in hundert Tagen bebaut, zersiedelt und durch Flächenverbrauch massiv entwertet wird. Das grüne 100 km² Quadrat entspricht der Fläche des neuen, von interessierter Seite heftig bekämpften Nationalparks Nordschwarzwald.
    Axel Mayer, BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein


    Quellen & Infos:



    Die gut organisierten Gegner des Nationalparks
    "Rund 75.000 Flyer sind inzwischen unters Volks gebracht, 100 Großplakate - allein 24 in der Touristenhochburg Baiersbronn - aufgestellt, 50.000 Autoaufkleber produziert, fast 11.000 Unterschriften sind bereits gesammelt. Ein Spendenaufruf für diese Materialschlacht war nicht nötig, die Finanziers der Interessengemeinschaft aber halten sich bedeckt.
    "Warten auf das Gutachten wäre taktisch unklug", sagt Andreas Fischer. Der Mann im blauen Hemd mit dem gepflegten Kinnbart ist Sprecher eines "losen Strategiekreises", der sich als Vordenker der Interessengemeinschaft versteht. Sie liefert plakative Argumente gegen einen Nationalpark. Auf sachliche Diskussionen, etwa auf den Veranstaltungen der Regierung, will sich der Geschäftsführer einer Verlags- und Beratungsgesellschaft in Baden-Baden nicht einlassen. Für ihn sind diese "eine Strategie der Verwirrung, bei der versucht wird, Laien mit wissenschaftlichen Argumenten zu übertölpeln".

    Fischer setzt auf Gefühle. Diese Strategie habe ihm eine 72-Jährige bestätigt, die ihm sagte: "Ein Nationalpark ist Verrat an der Heimat." Die Regierung versuche, mit Steuermitteln für ihr "politisch-ideologisches Ziel" zu werben und verschwende das Geld auch noch für ein angeblich neutrales Gutachten. Die IG werde sich so lange einem Dialog verweigern, solange es ausschließlich um einen Nationalpark gehe. "Wir reden nur über Alternativen." Einen Naturschutz Plus etwa statt der befürchteten Ökodiktatur.

    Ein Nationalpark ist für Fischer die "radikalste Form des Naturschutzes". Das sei "reiner Egoismus". Die Menschen müssten Nutzungseinschränkungen hinnehmen."

    Kurzer Auszug aus einem lesenswerten Beitrag der Stuttgarter Zeitung vom 04.01.2012


    Der BUND-Landesverband zur geplanten Nationalparkkulisse
    Ein guter Anfang, aber nicht das Optimum

    4.Juni.2013
    Stuttgart. „Wir begrüßen den Gebietsvorschlag der Landesregierung. Auf der Basis einer fachlich fundierten Ausgestaltung kann dieses Gebiet einen sinnvollen Nationalpark ergeben“, kommentierte BUND-Landesvorsitzende Dr. Brigitte Dahlbender die Regierungsvorlage für die Kulisse des künftigen Nationalparks Schwarzwald.

    Bedenklich sei allerdings die kategorische Festlegung der Regierung, dass der Nationalpark Schwarzwald niemals erweitert werden soll. „Die Landesregierung muss die Tür für eine eventuelle spätere Erweiterung offen halten“, so Dahlbender, „je größer ein Schutzgebiet, desto größer sind die Potenziale für die Artenvielfalt.“ Im Nationalpark Bayerischer Wald habe man mit einer Erweiterung sehr gute Erfahrungen gemacht. „Es ist fahrlässig, das von vornherein auszuschließen“, sagte Dahlbender.

    Städte und Gemeinden sollten auch in Zukunft, wenn bereits Erfahrungswerte mit dem Nationalpark vorliegen, die Möglichkeit erhalten, substanziell zum Nationalpark beizutragen. „Es ist unverständlich, warum Minister Bonde einerseits die Kommunen einlädt, Flächen einzubringen, und andererseits ausschließt, dass der Nationalpark größer als 10.000 Hektar wird. Der Nationalpark Schwarzwald soll ein Entwicklungsnationalpark werden – das schließt Entwicklungen in der Größe mit ein“, betonte Dahlbender.

    Die BUND-Vorsitzende kritisierte, dass der Staatswaldanteil am geplanten Nationalparkanteil nun niedriger sein wird als 10.000 Hektar. In Bezug auf die Worte von Ministerpräsident Kretschmann sagte Brigitte Dahlbender: „Der Nationalpark in seiner jetzigen Größe und Form ist zwar ein guter Anfang, aber er ist noch lange nicht das Optimum.“






    Nationalpark Nordschwarzwald: Die BUND Position


    Der erste baden-württembergische Nationalpark wird von Naturschützerinnen und Naturschützern schon lange herbei gesehnt – schließlich haben fast alle Flächenländer mindestens einen Nationalpark. In diesem April stand der Nationalpark dann in der Koalitionsvereinbarung der neuen Landesregierung. Nun ist diese in die Offensive gegangen, hat einen Beteiligungsprozess in der Region initiiert und will in einem sozioökonomischen Gutachten die Bedenken und Sorgen gegen einen Nationalpark aufgreifen. Mancherorts schlagen die Wogen dennoch hoch und gerade vor Ort gibt es Skepsis und lautstarken Widerstand. Der BUND erklärt, warum er im Nationalpark eine große Chance für die Natur, aber auch den Tourismus in der Region sieht.

    Was bringt der Nationalpark der Natur?
    Landesweit und auch im Schwarzwald gibt es viel zu wenig Bannwälder, wo der Wald sich selbst überlassen bleibt. Die Einrichtung eines Nationalparks bietet die Chance, diese Quote ein wenig zu verbessern. Es ist nachgewiesen, dass in dauerhaft unbewirtschafteten Wäldern eine größere Artenvielfalt herrscht als in Wirtschaftswäldern. Der BUND fordert wie die Bundesregierung in ihrer „Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt“ 5 % Anteil Bannwälder an der Waldfläche, damit die Vielfalt der Pflanzen, Pilze und Tiere erhalten werden kann und seltene Arten nicht aussterben. Vom 5 %-Ziel ist Baden-Württemberg meilenweit entfernt: nur 0,7 % der Waldfläche sind als Bannwald bzw. Kernzone des Biosphärengebiets ausgewiesen. Der Nationalpark würde diesen Anteil auf 1,2 % erhöhen.

    Bereits jetzt gibt es in der Region, die für den Nationalpark in Frage kommt, rund 1.000 Hektar Wald, die nicht mehr genutzt werden, darunter die Bannwälder Altlochkar-Rotwasser, Wildseemoor und Wilder See. Auf diesen Flächen, die sich teilweise schon seit 100 Jahren frei entwickeln dürfen, kann man heute schon erleben, was einen künftigen Urwald ausmacht: Ruhe und Urtümlichkeit, ganz junge Bäume neben alten Baumriesen, auch tote Bäume, stehend oder umgestürzt. Für viele Tiere und Pflanzen ist das ein Eldorado. Auerhuhn, Dreizehenspecht, Sperlingskauz und viele andere seltene Vogelarten finden hier gute Lebensbedingungen. Dutzende Holzkäfer-, Spinnen-, Moos- und Pilzarten können nur hier und nicht im Wirtschaftswald existieren, weil dort das Alt- und Totholz fehlt. Der Nationalpark würde die jetzigen Bannwälder verbinden und vergrößern und dadurch diesen und weiteren seltenen Arten noch bessere Lebensmöglichkeiten bieten.

    Auch ein Nationalpark
    ist genau wie die Umgebung Stürmen ausgesetzt, die unvorhersehbare Auswirkungen haben und durch Windwürfe Löcher reißen oder ganze Waldbestände zu Boden bringen können und dadurch viel Licht in den Wald bringen. Auch das gehört zu den natürlich-dynamischen Prozessen in einem Nationalpark, genau wie der neue Wald, der sich allmählich von allein auf den Windwurfflächen entwickelt.

    Was bringt der Nationalpark für Erholung und Tourismus?
    Nationalparke bieten spannende Naturerlebnisse, die so in anderen Gebieten nicht zu finden sind. Die Alternative – weitere Bannwälder – wären bei Weitem nicht so ein Magnet für den Tourismus. Nationalparke werden – richtig geführt – von der Landesregierung mit einer guten Infrastruktur für den Naturtourismus ausgestattet, wie es andernorts nicht ohne Weiteres möglich ist. Zu dieser Infrastruktur zählen Informationszentren mit attraktiven Ausstellungen, besondere Naturerlebnisangebote und gut ausgestattete Wege für alle, die sich leise durch die Landschaft bewegen beim Wandern, Reiten, Fahrradfahren, Lang- oder Schneeschuhlaufen. Deshalb gibt es einen speziellen Nationalparktourismus: Gäste, die nur oder auch wegen des Nationalparks eine bestimmte Region besuchen. Dies lässt sich anhand der Besucherzahlen in anderen Nationalparken belegen. Gute Chancen für die Region Nordschwarzwald und die Hotels, Gaststätten, Ferienhöfe und Pensionen im Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord!

    Was ist ein Entwicklungsnationalpark?
    Wie in jedem Nationalpark wird auch im Entwicklungsnationalpark die Natur auf großer Fläche sich selbst überlassen. Allerdings nicht sofort auf ganzer Fläche, sondern endgültig erst nach 20-30 Jahren. Bis dahin werden fichtendominierte Forste hin zu naturnäheren Waldbeständen mit mehr Buche und Tanne umgebaut. Die gefällten Fichten können in der Holzwirtschaft verwertet werden, so dass dort in den ersten Jahrzehnten keine Einbußen an Holzmengen zu befürchten sind. Die langfristigen Einbußen sind im Vergleich zur Holzerntemenge im Nordschwarzwald sehr gering.
    Durch den geplanten Waldumbau und das Randzonenmanagement ist Borkenkäfer-Befall an Fichten gut begrenzbar, so dass großflächig abgestorbene Fichtenbestände auch innerhalb des Nationalparks vermeidbar sind. Einzelne „Käferlöcher“ dagegen beschleunigen auf natürliche Weise den Waldumbau. Besitzer von außerhalb des Nationalparks gelegenen Wäldern können ebenfalls beruhigt sein: Bei gutem Management kann Borkenkäfer-Befall über den im Wirtschaftswald üblichen Umfang hinaus ausgeschlossen werden – das zeigen die Erfahrungen mit anderen Nationalparks.

    Warum im Nordschwarzwald?
    Der Nordschwarzwald ist die einzige Region in Baden-Württemberg, die für einen Nationalpark geeignet ist. Nur hier treffen die zwei wichtigen Kriterien „unzerschnittene, verkehrsarme Räume über 100 km2“ und „großflächiger Staatswaldbesitz“ zusammen. Denn es sollen keine Privatwaldflächen in Anspruch genommen werden und nur Kommunalwälder, die die Städte und Gemeinden freiwillig zur Verfügung stellen.




    Mehr Infos zum Nationalpark Nordschwarzwald:



    Geschäftsstelle Freundeskreis Nationalpark Schwarzwald e.V.
    Höferköpfleweg 2
    72270 Baiersbronn
    Öffnungszeiten:
    Di und Do 10.00 – 12.30 Uhr
    Mi 16.00 – 18.00 Uhr

    Ansprechpartnerin: Christina Schneider
    Tel. +49 (0) 74 42 – 18 09 120
    infopro-nationalpark-schwarzwald.de



    Zum weiter Lesen:

    Presse:



    Naturschutzverbände:


    Bürgerbewegungen:



    Wirtschaft



    Landesregierung:



    Der Entwurf für das Nationalparkgesetz hat noch Luft nach oben


    Der BUND begrüßt den Entwurf der Landesregierung für das Nationalparkgesetz. Gemeinsam mit dem NABU und dem LNV hat der BUND Landesverband eine Stellungnahme eingereicht. Darin sind wichtige Änderungsvorschläge zum Gesetzentwurf enthalten:

    • Die geplante Kulisse (zwei Teilbereiche um den Ruhestein und den Ochsenkopf) lässt die nördlich gelegene Fläche um den Kaltenbronn außen vor. Das Gebiet ist jedoch naturschutzfachlich wertvoll und qualitativ nationalparkfähig. Die dort liegenden Wälder sollten als Bannwälder ausgewiesen werden. Möglicherweise können sie später noch Teil des Nationalparks werden.
    • Der Nationalpark soll nach 10 Jahren um weitere Flächen erweitert werden können - natürlich nach freiwilligem Entschluss der jeweiligen Waldbesitzer
    • Es muss klar sein, dass der Nationalpark zwar erwartungsgemäß dem Tourismus in der Region nutzen wird, diesen aber nicht zum Ziel hat. Nationalparkgeld darf z. B. für naturschonende Naturerlebnisangebote im Nationalpark eingesetzt werden, nicht aber zur Förderung gewerblicher Angebote im Nationalparkumfeld. Letzteres ist Sache des Naturparks.
    • Der Nationalparkplan, der die Zonierung, die Umsetzung der Waldumbaumaßnahmen, die Festlegung der Bejagung und die Maßnahmen für Naturbildung und Besucherlenkung festlegt, muss so schnell wie möglich erstellt und abgestimmt werden, damit die Nationalparkverwaltung ihn nach spätestens drei Jahren zur Grundlage ihrer Arbeit machenkann.
    • Das Herz des Nationalparks ist der sich selbst überlassene Wald, der sich nach seinen eigenen Gesetzen entwickeln kann und in dem alle Motorsägen und Forstmaschinen schweigen. 75 Prozent der Fläche sollen in spätestens 30 Jahren dem Prozessschutz unterliegen, auf dem Rest sind dauerhaft Pflegemaßnahmen nötig. Die Naturschutzverbände fordern eine Festlegung, nach der bereits um das Jahr 2030 die Hälfte der Fläche unter Prozessschutz stehen soll.
    • Im Nationalpark dürfen keine Kalk-, Düngesubstrate oder Pestizide ausgebracht werden.
    • Auf den Quellen und Bächen im Nationalpark muss besonderes Augenmerk liegen. Soweit sie naturnah sind, müssen sie sich frei enwickeln dürfen, Quellfassungen, Verbauungen und Verdolungen sind zurück zu bauen.
    • Der Nationalpark dient auch der Naturerfahrung und dem Naturerlebnis der Bevölkerung von nah und fern. Dafür braucht es gut ausgebildete Ranger bzw. Natur- und LandschaftsführerInnen. Die Naturschutzverbände fordern eine standardisierte Ausbildung für die haupt- und ehrenamtlichen Kräfte.


    Mit dem Nationalparkbeschluss im Landtag wird die eigentliche Arbeit erst anfangen. Gerade angesichts des Entwicklungscharakters des Nationalparks werden die Naturschutzverbände sehr wachsam sein müssen, dass diese höchste Schutzkategorie des Bundes- und Landesnaturschutzgesetzes den naturschutzfachlichen Erwartungen gerecht wird.




    Der 28.November 2013 ist ein guter Tag für Baden Württemberg

    Der Landtag von Baden-Württemberg beschließt endlich das Gesetz zur Einrichtung eines Nationalparks im Schwarzwald mit 71 zu 63 Stimmen. Die FDP und fast die ganze CDU stimmen gegen Mensch, Natur und Nationalpark. GRÜNE und SPD stimmen dafür.

    Hier das Abstimmungsergebnis im Landtag:
    S:\Plenum\PL084\Namentl-M 84. Plenum, TOP 3 a, 15/4127 1 Nationalpark

    • Mit Ja haben gestimmt:

      CDU: Günther-Martin Pauli.

      GRÜNE: Muhterem Aras, Theresia Bauer, Beate Böhlen, Sandra Boser, Jürgen Filius, Josef Frey, Jörg Fritz, Petra Häffner, Martin Hahn, Wilhelm Halder, Manfred Kern, Winfried Kretschmann, Daniel Andreas Lede Abal, Siegfried Lehmann, Andrea Lindlohr, Brigitte Lösch, Manfred Lucha, Thomas Marwein, Bärbl Mielich, Dr. Bernd Murschel, Reinhold Pix, Thomas Poreski, Wolfgang Raufelder, Daniel Renkonen, Dr. Markus Rösler, Alexander Salomon, Dr. Kai Schmidt-Eisenlohr, Charlotte Schneidewind-Hartnagel, Alexander Schoch, Andreas Schwarz, Hans-Ulrich Sckerl, Edith Sitzmann, Dr. Gisela Splett, Nikolaus Tschenk, Franz Untersteller, Jürgen Walter.
      SPD: Katrin Altpeter, Christoph Bayer, Sascha Binder, Wolfgang Drexler, Dr. Stefan Fulst-Blei, Thomas Funk, Reinhold Gall, Gernot Gruber, Rosa Grünstein, Hans-Martin Haller, Rita Haller-Haid, Helen Heberer, Walter Heiler, Rainer Hinderer, Peter Hofelich, Klaus Käppeler, Gerhard Kleinböck, Ernst Kopp, Klaus Maier, Georg Nelius, Thomas Reusch-Frey, Martin Rivoir, Gabi Rolland, Ingo Rust, Nikolaos Sakellariou, Dr. Nils Schmid, Claus Schmiedel, Rainer Stickelberger, Johannes Stober, Andreas Stoch, Hans-Peter Storz, Florian Wahl, Alfred Winkler, Sabine Wölfle.

    • Mit Nein haben gestimmt:

      CDU: Norbert Beck, Dr. Dietrich Birk, Thomas Blenke, Elke Brunnemer, Klaus Burger, Andreas Deuschle, Dr. Marianne Engeser, Konrad Epple, Arnulf Freiherr von Eyb, Manfred Groh, Friedlinde Gurr-Hirsch, Peter Hauk, Klaus
      Herrmann, Dieter Hillebrand, Bernd Hitzler, Manfred Hollenbach, Karl-Wolfgang Jägel, Karl Klein, Wilfried Klenk, Rudolf Köberle, Joachim Kößler, Thaddäus Kunzmann, Sabine Kurtz, Dr. Bernhard Lasotta, Paul Locherer, Ulrich Lusche, Winfried Mack, Ulrich Müller, Paul Nemeth, Claus Paal, Matthias Pröfrock, Werner Raab, Dr. Patrick Rapp, Helmut Rau, Nicole Razavi, Heribert Rech, Wolfgang Reuther, Karl-Wilhelm Röhm, Karl Rombach, Helmut Walter Rüeck, Volker Schebesta, Dr. Stefan Scheffold, Viktoria Schmid, Felix Schreiner, Katrin Schütz, Marcel Schwehr, Willi Stächele, Dr. Monika Stolz, Gerhard Stratthaus, Stefan Teufel, Alexander Throm, Karl Traub, Georg Wacker, Tobias Wald, Guido Wolf, Karl Zimmermann.

      FDP/DVP: Dr. Friedrich Bullinger, Andreas Glück, Dr. Ulrich Goll, Leopold Grimm, Jochen Haußmann, Dr. Timm Kern, Dr. Hans-Ulrich Rülke.







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    Dieser Artikel wurde 13992 mal gelesen und am 5.4.2017 zuletzt geändert.