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Löss & Hohlwege: Restnatur am Kaiserstuhl (Eichgasse, Bickensohl - Scheibenbuckgasse, Bickensohl - Schlichtengasse, Ihringen - Stalleckgasse, Ihringen - Buntehalengasse, Bötzingen - Dullentalgasse, Ihringen


  • Hohlwege

  • Böschungen

  • Steilwände


  • durch Mensch und Wetter in Jahrhunderten gestaltet

  • heute Wahrzeichen der Kaiserstühler Wein- und Erholungslandschaft

  • wertvoller Lebensraum für eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt





  • Löß ist ein eigenartiges „Lockergestein“, das fast den gesamten Kaiserstuhles in bis zu 30 m dicker Schicht überdeckt. Auch in anderen Gebieten Deutschlands gibt es Löß, aber nirgends in solcher Mächtigkeit. So hat der Löß für das Bild der Kaiserstuhllandschaft, für ihre Natur und ihre Nutzung ganz besondere Bedeutung.

    Wie ist Löß entstanden, aus was besteht er und was sind seine Eigenschaften?

    Löß ist nicht sehr alt: Er entstand während der Eiszeiten als Ablagerung von feinem Staub, der durch Stürme aus der spärlich bewachsenen Rheinebene herangeweht wurde. Der Zusammensetzung des Rheinschotters entsprechend handelt es sich um eine Mischung aus feinsten Körnchen von Sand und Kalk. Löß ist ein Sediment, das über die Luft herangetragen wurde, ein „äolisches Sediment“.

    Löß ist fruchtbar: Die Mischung aus quarzhaltigen Teilchen und Kalk sorgt für Mineralienreichtum, gute Durchlüftung und Fähigkeit zur Wasserrückhaltung. Löß ist daher eine hervorragende Grundlage für den Weinbau sowie für das Vorkommen zahlreicher Wildpflanzen, die für den Kaiserstuhl so charakteristisch sind.


    Löss & Hohlwege am Kaiserstuhl


    Löß ist stabil: Obgleich sich Löß zwischen den Fingern zu mehligem Pulver zerreiben lässt und man in Lößwände leicht Höhlen graben kann, ist gewachsener Löß – auch in Form steiler Wände – sehr stabil. Wird er dagegen umgelagert, verliert er die Standfestigkeit und kann nach langen Regenfällen ins Rutschen kommen.



    Löß lässt sich leicht bearbeiten: Ergebnis sind die teils Jahrhunderte alten, mit einfachen Werkzeugen aufgesetzten Rebterrassen, aber auch die neuen, mit Großmaschinen rationell gestalteten Umlegungsgebiete.

    Löß ist ein Lebensraum für Spezialisten:

    Der tropisch bunte Bienenfresser baut seine Nisthöhle in senkrechte Lößwände, an denen im Kaiserstuhl kein Mangel ist. Vor einigen Jahren haben sich die schönen Vögel hier wieder eingefunden; seither haben sie sich gut vermehrt, so dass sich im Kaiserstuhl heute das größte Brutvorkommen nördlich der Alpen befindet.



    Die Smaragdeidechse fühlt sich in den warmen Gebüschen der Hohlwege und Böschungen wohl. Ihre einzigen Vorkommen in Baden-Württemberg finden sich am Tuniberg und Kaiserstuhl, wo sie beobachtet werden können, wenn sie sich am Gebüschrand sonnen.



    Für zahlreiche Arten von Wildbienen bieten Lößwände optimalen Lebensraum, insbesondere zur Anlage der Bruthöhlen. So wurden bei einer Untersuchung an Lößwänden des Kaiserstuhles 82 verschiedene Bienenarten festgestellt. Manche von ihnen leben ausschließlich an Lößwänden, andere nutzen kleine Höhlen, die von . Es lohnt sich, in Ruhe vor einer Lößwand stehen zu bleiben, die Fülle der Insekten zu beobachten und ihr Verhalten zu beobachten.

    Insektensterben im Idyll
    „Ich untersuche die Tag- und Nachtfalter in der Oberrheinebene seit 30 Jahren regelmäßig und sowohl die Artenzahlen als auch die Faltermengen gehen insgesamt stark zurück. Es fällt auf, dass auch Wiesen, die selbst nicht zerstört wurden, aber in der Agrarlandschaft unmittelbar den Randeinflüssen der gespritzten Kulturen ausgesetzt sind, nur noch von wandernden Faltern besucht werden. Wiesen im Wald sind oft noch nicht so betroffen. Die bunten Wiesen der Hochwasserdämme in der Aue sind vom Wald abgeschirmt und geschützt und darum immer noch Falter-reich. Im Kaiserstuhl haben sich einige Arten nur noch in den windgeschützten Tälern gehalten. Da wundert man sich natürlich nicht, dass neben Schmetterlingen und anderen Insekten auch Singvögel und Fledermäuse selten werden.“ sagt Jörg-Uwe Meineke, Schmetterlingsexperte und ehemaliger Leiter des Referats für Naturschutz und Landschaftspflege im Regierungspräsidium Freiburg


    Einige der wenigen verbliebene Hohlgassen im Kaiserstuhl:

    • Eichgasse, Bickensohl Mehr Infos
    • Scheibenbuckgasse, Bickensohl Mehr Infos
    • Schlichtengasse, Ihringen
    • Stalleckgasse, Ihringen Im Ortszentrum von Ihringen am Brunnen in Richtung Kirche abbiegen. Durch den Ort der Ausschilderung Martinshöfe folgen.Bei der Martinsstrausse PKW oder Fahrrad abstellen und dem Weg rechts vor dem Gehöft folgen, beim nächsten Abzweig nach links in die Hohlgasse. Fortsetzung der Begehung mit Abstecher in das Liliental möglich. Parkmöglichkeiten in Ihringen oder bei den Martinshöfen.
    • Blachengasse zwischen Bickensohl und Achkarren
      An der Strasse zwischen Bickensohl und Achkarren findet sich der untere Eingang der Blachengasse hinauf zum Scheibenbuck im Naturschutzgebiet "Bitzenberg". Über Niederrotweil bis zum Ortsausgang nach Oberrotweil, der Strasse nach Bickensohl folgen, hinter Bickensohl der Strasse nach Achkarren folgen, nach ca 1 km findet sich nach einem Anstieg auf der linken Seite der Eingang in die Scheibenbuckgasse. Parkmöglichkeiten etwa 500m entfernt auf einem Parkplatz am Strassenrand.
    • Buntehalengasse, Bötzingen
    • Dullentalgasse, Ihringen
    • Hohlgassen bei Endingen




    Für die Hohlwege ist eine eigene Pflanzenwelt charakteristisch: Hopfen, Waldrebe, Berberitze und Pfaffenhütchen kommen in den Gebüschen vor, an offenen Lößböschungen wachsen großblütige Kaiserstuhlanemonen, Sonnenröschen, Gamander, Kugelblume und andere Besonderheiten. Ökologisch wertvoll sind aber insbesondere die großen unbewachsenen Lößflächen.



    Vom Schicksal der Hohlwege


    Die Kaiserstühler Hohlwege sind Jahrhunderte alt.
    Durch den Tritt von Mensch und Tier, durch das Befahren mit Karren und Wagen tieften sich die Wege in den Löß ein. Das Wasser spülte den zerriebenen Löß aus, die Wege wuchsen langsam in die Tiefe, die Wände wurden immer höher und steiler. So entstanden vielerorts verzweigte Systeme von Zugangswegen in die Reben.

    Von diesen traditionellen Hohlwegen des Kaiserstuhles
    ist heute nur noch ein kleiner Teil erhalten. Im Rahmen der großen Flurbereinigungen der 70er und 80er Jahre wurden viele zugeschüttet oder beseitigt. In der Folgezeit dienten manche als wilde Müllkippen oder sie wuchsen zu, soweit sie nicht mehr benutzt wurden. Wege in Hohlgassen sollten nicht betoniert oder geteert werden, damit sich diese dynamisch weiter entwickeln können.



    Die verbliebenen Hohlwege
    sind als Zeugnisse der alten Bewirtschaftung Kulturdenkmale, wichtige Teile der Erholungslandschaft sowie wertvolle Lebensräume. Sie sollten offengehalten, gepflegt und genutzt werde. So weit als möglich sollten sie nicht asphaltiert oder gepflastert werden, um das Bild und die Entstehung der klassischen Hohlwege erkennbar zu machen. Es sind auch Naturmuseen, Erinnerungen an große, nicht lange zurückliegende Zerstörungen.

    Zugewachsene, voll begrünte Hohlwege,
    gefallen vielen Menschen. Doch für die wirklich seltenen und bedrohte Arten, insbesondere für Insekten, ist die "nackte", nicht bewachsene, sonnenbeschienene gelbe Lößwand ökologisch wertvoller als der zugewucherte Hohlweg.

    Für viele der seltenen und für den Kaiserstuhl typischen Arten,
    z.B. viele Wildbienen, sind offene, besonnte und nur schütter bewachsene Lößwände der geeignete Lebensraum. Zahlreiche Wildbienenarten und solitäre Wespen nisten in Löss-Steilwänden, darunter viele „Nützlinge“ wie Bestäuber von Obstbäumen, Raupen- und Blattlausjäger. Manche Arten kommen in Deutschland nur am Kaiserstuhl vor. Der wärmeliebende Bienenfresser ist eine Besonderheit der Löss-Landschaft des Kaiserstuhls und der Rebgebiete am Schwarzwaldrand. Über 100 Brutpaare dieser tropisch bunten Vogelart nisten hier jährlich. Er braucht unbewachsene Steilwände, um seine Brutröhren anzulegen. Offene Löss-Absätze sind „Wärme- und Trockenfenster“ in der Böschung, wo sich viele Tiere gerne sonnen. Gehölze sollten hier kurz gehalten bzw. beseitigt werden, am besten manuell bzw. maschinell, was auch den Interessen des Weinbaues entgegenkommt. Die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln (auch Herbiziden) sollte im Interesse von Flora und Fauna unterbleiben.


    Löß & Hohlwege am Kaiserstuhl


    Eine Information und Anregung für Winzer und Landwirte,Gemeinden und alle Freunde und Besucher des Kaiserstuhls,
    erstellt vom:
    BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND),
    Regionalverband Südlicher Oberrhein.

    Idee und Text: Frank Baum, BUND
    Gestaltung: Timo Eckhardt
    Fotos: Frank Baum, Gabi Krumm, Axel Mayer,
    Andreas Probst, Fritz Saumer




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    Und zum Schluss noch ein "Hohlweg-Gedicht" im Kaiserstühler Dialekt

    Es rännt e Säu de Hohlweg na,


    Es rännt e Säu de Hohlweg na,
    si isch verschmiert mit Leime.
    Doch git s fascht keini Hohlweg meh,
    kannsch nur noch devu traime:
    Am Kaiserstuehl het s Hohlweg gä
    un Wildsäu gnue zum Schiäße.
    Si hän die Hohlweg ewe gmacht;
    Des mueß die arm Säu biäße.

    E Bache het ä Eber gsuecht
    un het en endlig gfunde.
    Doch niäne isch e Hohlweg gsi,
    mei dene zwei het s gschtunge.
    Die Landschaft isch total verhunzt,
    die Hohlweg betoniert:
    Die einz ge Wildsäu, wu s noch git,
    die sin motorisiert.

    Wolfgang Miessmer


















    Löß & Hohlwege am Kaiserstuhl

    Endingen, Amoltern, Königsschaffhausen, Kiechlinsbergen, Burkheim, Vogtsburg, Achkarren, Bickensohl, Bischoffingen, Oberbergen, Oberrotweil, Niederrotweil, Schelingen, Breisach, Riegel, Bahlingen, Eichstetten, Bötzingen, Wasenweiler, Ihringen, Jechtingen, Sasbach, Leiselheim










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    Wo sind die vielen NaturschützerInnen & BiologInnen
    in den wichtigen, aktuellen Naturschutzkonflikten am Oberrhein? Es gibt am Oberrhein eine Vielzahl von Menschen mit einem großen Wissen und Sachverstand in Sachen Natur und Umwelt. Doch in den großen Konflikten um unsere bedrohte Restnatur, sei es beim IRP, beim Schmetterlingssterben, bei den Themen Flächenverbrauch und Zersiedelung halten sie sich meist "vornehm" und schüchtern zurück und überlassen die öffentliche Debatte & Leserbriefe den gut organisierten Lobbyisten und dem Stammtisch. Manche Spezialisten sehen auch nur ihr "Lieblingsbiotop" und vergessen darüber den großen Zusammenhang. Nur gemeinsam können wir wir die aktuellen Zerstörungsprozesse bremsen!
    Axel Mayer











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    Dieser Artikel wurde 22776 mal gelesen und am 26.2.2017 zuletzt geändert.